Bauernverbände aus Nordhessen fordern deutlichen Bürokratieabbau

Vertreter des Regionalbauernverbandes Kurhessen sowie der Kreisbauernverbände Kassel, Waldeck, Frankenberg, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg haben gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Wilhelm Gebhard und Jan-Wihelm Pohlmann sowie dem Landtagsabgeordneten Dominik Leyh über zentrale Herausforderungen der Landwirtschaft gesprochen. Ergebnis des Austausches ist ein gemeinsamer Forderungskatalog zur Agrarpolitik 2026 mit zehn zentralen Punkten.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen vor allem die zunehmende Bürokratiebelastung und die mangelnde Praxistauglichkeit vieler Vorgaben. Die Vertreter der Bauernverbände kritisieren insbesondere, dass bestehende Spielräume von Behörden häufig nicht genutzt würden.

„Die angekündigten Entlastungen kommen auf den Höfen vielfach nicht an“, erklärte Gebhard nach dem Gespräch. „Viele Verfahren werden immer komplizierter und kosten die Betriebe wertvolle Zeit und Ressourcen.“, so Gebhard. „Trotz aller Herausforderungen bleibt festzustellen, dass die jetzige Bundesregierung mit der Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückerstattung und der Abschaffung der Stoffstrombilanz zentrale Wahlversprechen für die Landwirtschaft bereits im ersten Regierungsjahr umgesetzt hat“, erklärte Pohlmann.

Wie angespannt die Lage auf vielen Höfen inzwischen ist, brachte auch Norbert Klapp auf den Punkt: „Wir müssen endlich ins Machen kommen.“

Kritisiert wurden unter anderem die komplizierten Verfahren bei der Zulassung landwirtschaftlicher Fahrzeuge, umfangreiche Dokumentationspflichten im Pflanzenschutz sowie zusätzliche Belastungen durch immer neue Vorgaben und Kontrollen. Besonders bei der Schadnagerbekämpfung sehen die Verbände dringenden Handlungsbedarf. Der notwendige Sachkundenachweis auf Grundlage von EU-Vorgaben verursache hohe zusätzliche Aufwände durch Schulungen und Arbeitsschutzunterweisungen. Deshalb fordern die Verbände, das Sachkundeerfordernis künftig direkt in die landwirtschaftliche Berufsausbildung zu integrieren und Weiterbildungen praxisgerecht an bestehende Pflanzenschutzfortbildungen anzubinden.

Darüber hinaus wurde deutlich gemacht, dass auch die aktuelle Düngeverordnung und die Ausweisung sogenannter „Roter Gebiete“ in vielen Regionen als nicht verursachergerecht wahrgenommen werden. Die Verbände fordern hier eine stärkere Berücksichtigung bestehender Wasserschutzmaßnahmen und praxisnaher Nachweisverfahren.

Große Sorge bereitet außerdem der zunehmende Rückgang regionaler Schlachtstätten. Die Bauernverbände warnen davor, dass immer strengere Auflagen insbesondere kleine Betriebe und regionale Strukturen gefährden. Auch im Bereich der Tierhaltung brauche es nach Ansicht der Verbände praktikable Lösungen, die Tierschutz und wirtschaftliche Realität gleichermaßen berücksichtigen.

Kritisch bewertet wurden zudem die zunehmenden Verwaltungskontrollen sowie komplizierte Antragsverfahren etwa bei Agrardiesel, Stromsteuer oder Energietransparenzmeldungen. Hier fordern die Verbände deutlich einfachere und einheitlichere Verfahren.
Ein weiteres Thema war das Wildtiermanagement. Die Verbände sprechen sich dafür aus, den Biber in das Jagdrecht aufzunehmen, da bestehende Entschädigungsregelungen aus ihrer Sicht zu kompliziert und ineffektiv seien.

Das Gespräch wurde von allen Beteiligten als konstruktiv bewertet. Ziel bleibt es, die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Landwirtschaft zu sichern und die Betriebe spürbar zu entlasten. Vor diesem Hintergrund haben die drei Abgeordneten ein gemeinsames Schreiben an den Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, verfasst.