Bild: Wilhelm Gebhard
Einen Tag lang tauschte der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gebhard den politischen Alltag gegen Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe. Bei der Zimmerei Liborius in Minden packte er gemeinsam mit Zimmerermeister Carl Sensmeyer und seinem Team auf der Baustelle mit an und bekam so einen unmittelbaren Einblick in die tägliche Arbeit eines Handwerksbetriebs.
Ausgangspunkt für den Praxistag war ein Video von dem Soloselbstständigen Carl Sensmeyer, in dem dieser Politiker dazu aufforderte, nicht nur über die aktuelle politische Lage und das Handwerk zu sprechen, sondern selbst einmal einen Tag im Handwerksbetrieb mitzuarbeiten.
„Ich habe gewettet, dass wir keinen Bundestagsabgeordneten finden werden, der mal einen Tag bei mir Praktikum macht“, sagte Sensmeyer in seinem Video.
Wilhelm Gebhard nahm die Herausforderung an und meldete sich bei Carl Sensmeyer. „Das tat ich auch deshalb, weil mich mind. drei mir bekannte Handwerksgesellen aus der Region auf das Video aufmerksam gemacht haben und zu mir sagten „Mach da mal mit; Du kannst doch anpacken“, erzählt Wilhelm Gebhard.
Mitte August hieß es dann an einem Montagabend mit dem Zug nach Minden zu fahren und am Dienstagmorgen im Hotel die Arbeitskleidung und die Sicherheitsschuhe anzuziehen – und los ging's. Carl Sensmeyer holte den Praktikanten aus dem Deutschen Bundestag um 07:15 Uhr am Hotel ab. Einen Tag lang arbeitete Gebhard bei der Zimmerei Liborius mit und lernte auf zwei Baustellen dabei die verschiedenen Anforderungen kennen, die der Arbeitsalltag im Zimmererhandwerk mit sich bringt.
Nach der ersten Baustelle, auf der Gebhard gleich schon auf dem Dach stand, Dachpfannen entgegennahm und wieder zuwarf, ging es weiter zu einem über 200 Jahre alten Gebäude in der Mindener Innenstadt, an dem der Dachstuhl erneuert wurde. Dabei wurde für Gebhard unmittelbar erlebbar, was handwerkliche Arbeit bedeutet: körperliche Belastung, präzises Arbeiten, Verantwortung und das Schaffen konkreter Werte.
„Als Mensch vom Land weiß ich, wie körperlich anspruchsvoll, präzise und verantwortungsvoll die Arbeit im Handwerk ist. Das wurde mir bei meinem Arbeitstag bei der Zimmerei Liborius noch einmal bestätigt“, sagt Gebhard.
Der Praxistag habe zugleich deutlich gemacht, welchen Stellenwert das Handwerk für die Wertschöpfung vor Ort und für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt hat.
„Das Handwerk braucht nicht nur warme Worte, sondern gute Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und echte Wertschätzung. Am Ende muss gelten: Leistung muss sich wieder lohnen.“
Für Zimmerermeister Carl Sensmeyer war der Tag eine praktische Umsetzung seiner ursprünglichen Forderung. Statt über die Arbeit des Handwerks zu sprechen, konnte sich der Abgeordnete selbst ein Bild davon machen, was hinter den Leistungen eines Handwerksbetriebs und eines Soloselbstständigen wie Sensmeyer steckt.
„Ich finde es wichtig, dass Politik und Handwerk miteinander im Gespräch bleiben. Noch wichtiger ist aber, dass Politik auch versteht, unter welchen Bedingungen die Menschen in unseren Betrieben jeden Tag arbeiten“, so Gebhard.
„Mein abschließender Dank gilt allen, die täglich aufstehen, für andere einstehen, anpacken und mit ihrer Arbeit unser Land am Laufen halten. Dieser eine Tag hat mir noch einmal gezeigt, wie viel Können, Einsatz und Verantwortung hinter dem Handwerk steckt.“ Der Bundestagsabgeordnete bedankte sich bei Carl Sensmeyer für die Einladung und die Offenheit.
Am Ende des Arbeitstages nutzten Sensmeyer und Gebhard noch die Gelegenheit, einige bei Instagram gestellte Fragen zu beantworten, zu denen Sensmeyer die Community am Morgen aufgefordert hatte. Dabei ging es beispielsweise um Fragen, ob sich Gebhard diese körperliche Arbeit bis 67 oder gar 70 vorstellen könne, wie es mit dem Bürokratieabbau in Deutschland weitergeht und warum die Politik gefühlt so weit entfernt von der Normalbevölkerung scheint. Die Kurzvideos dazu sind bei den beiden Protagonisten bei Instagram zu finden.
Über die Zimmerei Liborius
Die Zimmerei Liborius mit Sitz in Minden wird von Zimmerermeister Carl Sensmeyer geführt und besteht seit 2022 als Meisterbetrieb. Der Betrieb verbindet traditionelles Zimmererhandwerk mit modernen und innovativen Lösungen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Arbeiten an Bestandsgebäuden, energetische Sanierungen, Erweiterungen und Holzbauprojekte.
Sensmeyer absolvierte von 2007 bis 2010 seine Ausbildung zum Zimmerer und arbeitete anschließend als Geselle und Vorarbeiter. Nach weiteren beruflichen Stationen, unter anderem in Australien und der Schweiz, absolvierte er die Meisterschule und führt seit 2022 die Zimmerei Liborius als selbstständigen Meisterbetrieb.

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