Wasserkraft als Baustein einer krisenresilienten Energieversorgung

Wasserkraft ist vor dem Hintergrund einer krisenresilienten Energieversorgung mehr als nur die Erzeugung erneuerbaren Stroms. Zu diesem Aspekt traf sich der Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Wasserkraftwerke, Dr. Helge Beyer, mit dem Bundestagsabgeordneten Wilhelm Gebhard. Als Ort des Treffens bot sich das Wanfrieder Elektrizitätswerk von Scharfenberg GmbH & Co. KG an. Dort wird bereits seit nunmehr 125 Jahren zuverlässig Strom aus Wasserkraft erzeugt – eine Entwicklung, die Gebhard auch aus seiner langjährigen Zeit als Bürgermeister von Wanfried kennt.

Gemeinsam mit dem Gesellschafter Andreas v. Scharfenberg sowie den Geschäftsführern des E-Werks, Stephan v. Eschwege und Martin Rohmund, wurde über die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für kleine und mittelgroße Wasserkraftwerke in Deutschland diskutiert. Im Mittelpunkt stand insbesondere die Frage, welchen Beitrag Wasserkraftwerke in einer Krisensituation zur Energieversorgung leisten könnten.

Anders als die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne steht Wasserkraft kontinuierlich zur Verfügung. Zudem sind Wasserkraftwerke dezentral über die Fläche verteilt. In Deutschland gibt es rund 7.500 kleine und mittelgroße Wasserkraftwerke.

Allerdings sind nur wenige dieser Kraftwerke in der Lage, eigenständig eine Netzfrequenz von 50 Hz bereitzustellen. Dies wäre beispielsweise für eine Stromversorgung erforderlich, wenn frequenzgebende Großkraftwerke ausfielen oder die Netzinfrastruktur beschädigt würde.

Nach Einschätzung von Dr. Beyer besteht technologisch die Möglichkeit, Wasserkraftwerke mit einer sogenannten Schwarzstartfähigkeit auszustatten. Damit könnten sie beispielsweise genutzt werden, um in Krisenzeiten Wärmeinseln oder andere öffentliche Gebäude mit Strom zu versorgen. Eine öffentliche Förderung für eine entsprechende Umrüstung gibt es bislang nicht. Darüber zeigt sich auch der Gast aus Berlin verwundert: Schließlich handele es sich um eine vergleichsweise kostengünstige Maßnahme mit einem großen möglichen Nutzen.

Stephan v. Eschwege und Martin Rohmund erläuterten, dass die Wasserkraftanlage in Wanfried grundsätzlich in der Lage wäre, eine Netzfrequenz von 50 Hz zu erzeugen. Eine Ausstattung mit Schwarzstartfähigkeit sei jedoch aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht derzeit nicht zu rechtfertigen. Der geschätzte zusätzliche Investitionsaufwand von rund 50.000 bis 100.000 Euro stehe für den regulären Betrieb der Anlage keinem entsprechenden wirtschaftlichen Nutzen gegenüber. Technologisch sei eine solche Funktion für den normalen Anlagenbetrieb zudem nicht erforderlich.

Dr. Beyer betonte die Bedeutung des Austauschs mit Abgeordneten wie Wilhelm Gebhard, um der Politik entsprechende Optionen aufzuzeigen und für die Potenziale der Wasserkraft zu sensibilisieren. Dies gelte insbesondere in der jetzigen Phase, in der nach der parlamentarischen Sommerpause die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ansteht.